Dienstag, 21. Juli 2015

giornale poetico - poesie

Römische Fontäne 
Borghese
 

Zwei Becken, eins das andre übersteigend
Aus einem alten runden Marmorrand,
und aus dem oberen Wasser leis sich neigend
zum Wasser, welches unten wartend stand,

dem leise redenden entgegenschweigend
und heimlich, gleichsam in der hohlen Hand,
ihm Himmel hinter Grün und Dunkel zeigend
wie einen unbekannten Gegenstand;
 

sich selber ruhig in der schönen Schale
verbreitend ohne Heimweh, Kreis aus Kreis,
nur manchmal träumerisch und tropfenweis

sich niederlassend an den Moosbehängen
zum letzten Spiegel, der sein Becken leis
von unten lächeln macht mit Übergangen.


Rainer Maria Rilke (1906)
 

Rainer Maria Rilke: Neue Gedichte [1907]. In: Ders.: Die Gedichte, hg. v. Ernst Zinn, Frankfurt am Main, Leipzig: Insel Verlag 1986. S.475. Vgl. auch in Hans-Joachim Simm (Hg.): Deutsche Gedichte, Frankfurt am Main, Leipzig: Insel Verlag 2009. S. 835.


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